Über unser Institut
Das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin (IGEM) an der Technischen Universität München wurde 1972 gegründet. Damals hieß es „Institut für Geschichte der Medizin und Medizinischen Soziologie“. Heute widmet sich das Institut insbesondere der Medizinethik, der Forschungsethik, der Ethik neuer Gesundheitstechnologien und der Klinischen Ethik und vertritt zudem die Medizingeschichte und Medizintheorie. Das IGEM ist an der TUM School of Medicine and Health (ehemals Fakultät für Medizin) angesiedelt.
Die Arbeitsgruppen am Lehrstuhl für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien von Prof. Dr. Alena Buyx sowie an der Professur für Ethik der Künstlichen Intelligenz und Neurowissenschaften von Prof. Dr. Marcello Ienca arbeiten sehr interdisziplinär. Sie kollaborieren eng mit dem TUM Universitätsklinikum, der School of Social Sciences and Technology und anderen Schools an der TUM, sowie einer Vielzahl von Universitäten und Forschungsinstitutionen in München und im In- und Ausland. Aktuell wird der am IGEM entwickelte Embedded Ethics-Ansatz in der Entwicklung von medizinischen Innovationen weiter verfeinert und skaliert – etwa, wenn es um den verantwortlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Medizin und Gesundheitswesen geht. Es werden neue Fragen im Bereich der Neuroethik oder Public Health-Ethik bearbeitet, vielfältige Angebote der klinischen Ethikberatung umgesetzt und beforscht. Ein großer Teil der aktuellen Forschung erfolgt im Rahmen größerer Forschungskonsortien, gefördert z.B. vom European Research Council, der Europäischen Kommission, der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Das Institut bietet vielfältige Lehre an und betreibt aktive Wissenschaftskommunikation; auch Politikberatung im Bereich der eigenen Forschungsexpertise ist ein wichtiges Arbeitsfeld. Die wissenschaftliche Arbeit am IGEM zeichnet sich also durch die Verbindung theoretischer und verschiedener empirischer Ansätze und Methoden aus und zielt auf die Förderung einer reflektierten, transparenten und interdisziplinären Forschung, Lehre und Politikberatung ab. Dabei analysieren unsere Forschenden sowohl Chancen als auch Herausforderungen medizinischer Innovationen in ihren gesellschaftlichen, normativen und historischen Kontexten.
In Forschung und Lehre befassen sich die Mitarbeitenden des Instituts mit zentralen Fragestellungen an der Schnittstelle von Medizin, Ethik und Gesellschaft, darunter beispielsweise:
- Inwiefern kann künstliche Intelligenz als evidenzbasierte und verantwortungsvoll eingesetzte Entscheidungshilfe für Ärztinnen und Ärzte zur Verbesserung diagnostischer und therapeutischer Prozesse beitragen?
- Unter welchen Bedingungen kann der Einsatz robotischer Systeme in der Pflege die Versorgungsqualität steigern und das medizinische Personal entlasten?
- Auf welchen Formen von Solidarität und gesellschaftlicher Verantwortung kann die moderne Medizin im Zeitalter technologischer Innovationen aufbauen?
- Wie können biomedizinische Datenbanken und datengetriebene Verfahren – einschließlich KI – die Früherkennung, Diagnostik und Prävention von Erkrankungen optimieren?
- Welche historischen Entwicklungen, insbesondere die Medizin im Nationalsozialismus, prägen bis heute ethische Standards und institutionelle Verantwortung in der Medizin?
Diese Fragestellungen verdeutlichen das breite und interdisziplinäre Spektrum des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München, das sich der wissenschaftlich fundierten und ethisch reflektierten Begleitung medizinischer Innovationen verpflichtet sieht.
Embedded Ethics
Das Munich Embedded Ethics and Social Science Hub (MESH) Ist eine institutsübergreifende Forschungsgruppe unseres Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin und des Department of Science, Technology, and Society. Gemeinsam arbeiten wir an der Förderung integrierter, kollaborativer und interdisziplinärer Integration von ethischen und sozialen Aspekten in den Entwicklungsprozess von Gesundheitstechnologien.
Das MESH bringt Projekte zusammen, die sich mit den kritischen ethischen, sozialen und politischen Fragen befassen, die mit der Anwendung neuer Technologien auftauchen. Dabei stellt es Arbeiten in den Vordergrund, die darauf abzielen, die Versorgung und Gerechtigkeit zu verbessern und unterversorgte Bevölkerungsgruppen im Gesundheitswesen zu erreichen.
Der Ansatz, den wir entwickeln, heißt Embedded Ethics and Social Science (EESS). Er kombiniert partizipative Forschungspraktiken mit empirischen bioethischen und sozialwissenschaftlichen Analysen.
Medizinethik
In der Medizinethik stehen vor allem Fragen der verantwortlichen Entwicklung und der Einführung neuer biomedizinischer Technologien im Vordergrund. Das Institut steht hier für einen Embedded-Ethics-Ansatz, bei dem ethische Aspekte Teil der technischen Entwicklung von Anfang an sind.
Weitere Schwerpunkte sind neue Solidaritätskonzepte in der Medizin sowie Neuroethik, Forschungsethik und Public-Health-Ethik.
Medizingeschichte
Die Medizingeschichte beschäftigt sich vor allem mit Fragen der historischen Perspektivierung kulturell und gesellschaftlich relevanter Fragestellungen in der Medizin.
Schwerpunktmäßig widmet sich das Institut im Bereich der Medizingeschichte Forschungsfragen zu den Voraussetzungen, der Dynamik und den Nachwirkungen der Medizinverbrechen im Nationalsozialismus und ist aktiv an der Gestaltung einer diesbezüglichen Erinnerungskultur beteiligt.
- Embedded Ethics bedeutet für uns die Integration Ethischer Denkstrategien dort, wo Technologie entwickelt wird
- Gemeinsam mit unseren Kollegen in Drittmittelprojekten erforschen und entwickeln wir kollaborativ Best Practices für den Embedded Ethics Ansatz.
- Zur Verstetigung und Weiterentwicklung des Ansatzen haben wir das Munich Embedded Ethics and Social Science Hub (MESH) gegründet, eine institutsübergreifende Forschungsgruppe unseres Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin und des Department of Science, Technology, and Society.
- Machine Learning wird zum festen Bestandteil von Forschung und Entwicklung in der Medizin
- Wir arbeiten mit AI-Ethics Frameworks um die Chancen und Risiken dieser Technologien zu antizipieren und das Wissen darüber weiterzuentwickeln
- Bei der Generierung neuer Erkenntnisse spielt Forschungsethik besonders in der Medizin eine tragende Rolle
- In unseren Konsortien entwickeln wir daher neue Ansätze für forschungsethische Fragestellungen und bringen diese in die laufenden Projekte ein
- Public Health Fragen rücken mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit
- Als Gruppe engagieren wir uns in der Erarbeitung von Strategien zum Umgang mit aktuellen Fragen der Öffentlichen Gesundheit und stehen in Krisenzeiten beratend zur Seite
- Das Klinische Ethikkomitee (KEK) hat zum Ziel einen kompetenten Umgang mit ethischen Herausforderungen in der Patientenversorgung und der klinischen Arbeit zu fördern und zu unterstützen
- Das KEK steht als Forum für die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen am Klinikum und zur Ethik-Fallberatung
- Ethische Fragen im Klinikalltag sind mannigfaltig
- Die gemeinsame Entwicklung neuer Angebote wie Konsile und Visitenbegleitung steht im Vordergund um fundierte Beratung möglich zu machen
- Seit 2023 gehört eine neue Professur zum Institut für Geschicht und Ethik der Medizin
- Das Team um Prof. Dr. Marcello Ienca beschäftigt sich mit ethischen Fragen im Bereich der Neurowissenschaft und -technologien
- Medizingeschichte befasst sich aus historischer Perspektive mit den Entwicklungen, Kontinuitätslinien und Brüchen der Medizin
- Ein Forschungsschwerpunkt des Instituts liegt auf dem Themenbereich der Medizin im Nationalsozialismus
- Neben der Erforschung des Wirkens von Medizinern und Medizinerinnen steht gleichermaßen auch die Patientenperspektive im Vordergrund
- Die medizinethische Forschung und Lehre am IGEM umfasst das gesamte Gebiet der Ethik der Biomedizin und der Ethik der öffentlichen Gesundheit
- Ein besonderer Fokus liegt auf Fragen der verantwortlichen Entwicklung und der Einführung neuer biomedizinischer Technologien im Gesundheitswesen
- Aktuell wird das Angebot Klinische Ethik vertreten durch das Klinische Ethikkomitee (KEK), das Mobile Ethik-Team und die OberärztIn für klinische Ethik
- Die Weiterentwicklung von Ethikstrukturen- und Angeboten am Klinikum erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, um vorhandene Abläufe zu nutzen und nachhaltig passende Strukturen im Klinikalltag zu implementieren
- Geforscht wird am IGEM in zahlreichen Projekten, gefördert von Drittmittelgebern wie EU, BMFTR, DFG, NIH, Max-Planck-Gesellschaft und dem bidt.
- Seit 2018 wurden am Institut über 8,6 Millionen Euro an Fördergeldern eingeworben.
- Das IGEM unterhält Kooperationen mit anderen Fachbereichen innerhalb der TUM sowie mit anderen Universitäten und Instituten aus dem In- und Ausland.
- Das IGEM unterrichtet überwiegend im Studiengang der Humanmedizin der Technischen Universität München (TUM).
- Mit zwei Wahlpflichtfächern, einer Vorlesung, verschiedenen Seminaren und Workshops wird die Ethik stärker in die ärztliche Ausbildung integriert.
- Die Mitarbeitenden des Instituts sind international aufgestellt.
- Sie befassen sich in Forschung und Lehre mit den ethischen, theoretischen und geschichtlichen Dimensionen der Medizin.

